Dienstag, 10. November 2015

Rezension - Solitaire von Alice Oseman





Inhalt  

Die sechzehnjährige Tori Spring hat das Gefühl, dass sie sich zwischen Weltschmerz, Erfolgsdruck, dem Zwang, ihre Zukunft planen, sich selbst finden und jetzt eigentlich die beste Zeit ihres Lebens haben zu MÜSSEN, verliert. Dass sie kurz davor ist, zu zerbrechen an der Gleichgültigkeit der Welt. Dass sich daran auch im neuen Jahr nichts ändern, dass wieder nichts passieren wird. Und dann passiert doch etwas: Tori trifft auf Michael Holden. Eigentlich verkörpert Michael mit seinem Enthusiasmus und der schwarzen Hipster-Brille all das, was Tori verachtet, und dennoch ist sie fasziniert von seiner überschäumenden Lebensfreude und seiner Neugier auf die Welt. Und es gibt Solitaire, eine anonyme Schülergruppe, die seit Kurzem Toris Schule in Atem hält. Anders als alle anderen fragt Tori sich, was und wer wirklich hinter Solitaire steckt.[QUELLE]


Meinung
Die Autorin Alice Oseman war kaum älter als ihre Protagonistin, als sie "Solitaire" veröffentlichte. Und das kam der Geschichte und Victoria Spring - Spitzname Tori - nur zugute. Alice weiß, wie man sich als 16 Jährige fühlt und was einen in der heutigen Zeit so beschäftigt und das ließ sie alles in ihre Geschichte fließen. Dadurch fühlte sie sich für mich viel Wahrer an und schon gleich zu Beginn wusste ich, Solitaire würde mir sehr gut gefallen.

Und genau so fühlte ich auch recht lange. Ich habe allen meinen Freunden davon erzählt, ihnen sogar daraus vorgelesen, damit sie es auch lesen. Aber irgendwann kam ein Punkt im Buch, ab dem ich mich nicht mehr auf einem Höhenflug befand. So genau, wie ich gerne möchte, kann ich das gar nicht beschreiben. Tori begann irgendwie am Rad zu drehen, für das Genre und die Story zwar nicht unerwartet, aber ich konnte leider in dieser Stelle mal kein Verständnis mit Tori teilen - was sonst immer geklappt hat. Sie tat in dieser Zeit einfach Dinge, die für mich meistens keinen Sinn ergeben haben. Ich frage mich jetzt immer noch, wieso um Gottes willen sie das Tagebuch zerfetzt hat. Es wird einfach nicht näher darauf eingegangen, sie tut es einfach und damit basta. Ist sie jetzt traurig oder wütend? Liegt es daran dass es in ihrer Kindheit besser war oder daran dass sie damals albern war - ich weiß es nicht. Und da ich noch nie einfach so ein Tagebuch zerfetzt habe, kann ich das auch nicht ganz nachvollziehen - um nur mal ein Beispiel zu nennen. 
Dennoch konnte mich selbst der letzte Abschnitt des Buches nicht daran hindern Zettelchen zu hinterlassen - etwas was bei Solitaire fast schon katastrophale Ausmaße angenommen hat. Insgesamt kleben an diesem Buch (wenn ich mich nicht verzählt hab) 60 Zettel; sorgfältig farbig unterteilt in witzige Stellen, Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht haben, Andeutungen von irgendwelchem coolen Nerd-Kram, den ich mag, und Veränderungen von Toris Seite aus.  

Solitaire gelingt es einwandfrei das heutige Leben Jugendlicher einzufangen und zu erleuchten. Es hat mich zum Nachdenken einfacher Sachen angeregt, die ich sonst einfach so hingenommen habe, und hat mir auch mal eine neue Sichtweise gezeigt. 
"»Man muss jeden Tag so viel Neues wie möglich entdecken. Das ist wichtig.« [...] »Das ist es, was einen Tag vom anderen unterscheidet.«" Seite 94

Die ganze Sache um Solitaire hat mich die gesamten 360 Seiten über in Atem gehalten und mich Vermutungen aufstellen lassen wie verrückt. Eine Aktion übertraf die nächste und sie gerieten immer mehr außer Kontrolle, bis in den Wahnsinn - auch wenn der Blog nie im Mittelpunkt stand.
Da befindet sich nämlich einzig unsere Protagonistin und der verrückte Vogel Michael der sich so sehr anstrengt dazuzugehören und Freunde zu haben, dass er gerne übers Ziel hinaus schießt. Es handelt aber nicht hauptsächlich um ihre Liebesgeschichte - für mich war das sogar eher ins Nebensächliche gerückt - sondern ist vielmehr ein Roman über Jugendliche der heutigen Zeit und ihren Problemen in dieser Gesellschaft und mit sich selbst. Er geht dabei sehr tiefsinnig in den Kopf von Tori und in besonderen Momenten auch in den des Eisschnelläufers Michael. Trotz, dass Tori ein pessimistischer, menschen- und bücherhassender Einzelgänger ist, der alles nur schwarz sieht, war sie mir gleich sympatisch, vielleicht weil sie mich auf irgendeine Art und Weise an mich erinnert, auch wenn ich weder pessimistisch noch bücherhassend bin (menschenhassend vielleicht ab und zu, aber nur die gemeinen).Die Autorin schafft es gut die gewünschte Altersgruppe anzusprechen.

Trotz das mir das Buch im Gesamten so gut gefallen hat, habe ich mich dazu entschlossen das dritte Herz zu vergeben, weil es vom Aussehen her besser zu meiner Meinung passt - klingt zwar willkürlich, lässt sich aber leicht erklären: Mir gefiel Solitaire sehr, sehr gut, nur der letzte Teil, in dem sie am Rad dreht und auch das Ende hat das Buch irgendwie angefressen und mein Lesevergnügen in den letzten Seiten gemildert. Dennoch ist und bleibt es für mich eine schöne, wahre und tiefsinnige Geschichte ohne Fantasy-Elemente  über Jugendliche in der heutigen Zeit, wenn auch mit einem übertriebenen Ende das irgendwie fehl am Platz wirkt.




Kommentare:

  1. Ich bin total verliebt in das Cover.
    Aber ich sehe schon, dass die Geschichte an sich wohl eher nichts für mich ist. Ich kenne jedoch auch das Gefühl, dass man eine Rezension schreibt und am Ende trotzdem nicht so richtig erklären kann wie man zu dieser oder jener Bewertung gekommen ist. Manchmal lässt sich einfach das Gefühl, dass man während des Lesens hat, nicht so richtig in Worte fassen... ;)

    Liebe Grüße Tessa

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  2. Hallo Jessi,

    ich hab grad dein Blog entdeckt und ein bißchen gestöbert. Wow, in Solitaire hast du ja ordentlich Zettelchen verklebt. Mir geht es auch oft so, in den Büchern, die ich rezenziere, also quasi in fast allen, kleben während des Leseprozesses überall Zettelchen. Ich hab meist auch noch einen Notizblock dabei auf dem ich mir Dinge notier, die mir durch den Kopf gegangen sind. Aber solche Ausmaße gab es bisher noch in keinem Buch. Und soll ich dir was verraten - das macht mich extremst neugierig. Buch wird sofort notiert, mal sehen, auf wieviel Zettelchen ich es bring. Ich bleib gleich als Leserin hier, ich mag es wenn jemand so schön kreativ klebt ;) Würd mich natürlich auch sehr über deinen Besuch freuen. Aber nicht wundern, mein Blogdesign wird grad überarbeitet. An diesem Wochenende kann es teils nach Baustelle aussehen ;)

    liebe Grüße und schönes Wochenende

    Sandra von http://www.sandraskreativelesezeit.blogspot.com

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Haaaallöchen!
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Liebe Grüße
Jessi